Hölzel-Journal

Wirtschaftserziehung

China – Spielzeug-Werkstatt für die ganze Welt

4. Juni 2010

Von: Wilhelm Malcik

Global tätige Unternehmen können die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung ausnützen. Viele Staaten Asiens sind in der Spielzeugfertigung für die großen Spielwarenkonzerne wichtigste Partner. Dies gilt im besonderen für China.

Wie Global Players arbeiten

Global Players haben viel Macht. Durch ihre Größe und weltweiten Beziehungen entscheiden sie in vielen Wirtschaftszweigen, in welche Richtung geforscht wird, welche neuen Entwicklungen auf den (von ihnen beherrschten) Markt kommen, wo Arbeitsplätze geschaffen, wo Rohstoffe eingekauft und Steuern gezahlt werden. Durch diese Macht haben sie auch Einfluss auf die Politik: Multinationale Konzerne sind in vielen Ländern gern gesehene Gäste, stellen aber oft auch konkrete Bedingungen.

Multinationale Konzerne sind auch die Hersteller fast aller bekannten Markenprodukte. Daher sind diese Marken inzwischen weltweit bekannt und werden weltweit verkauft. Bei Konsumgütern sind viele Produkte austauschbar. Entscheidend für den Kauf ist oft der Markenname.

Mancher Mutterkonzern stellt in seinem Heimatland längst kein einziges Produkt mehr her, alle Fabriken wurden geschlossen. Er ist nur mehr mit Organisation von Erzeugung und Verkauf und mit Werbung beschäftigt. Produziert wird dort, wo es am billigsten ist. Man spricht deshalb von Auslagerung der Produktion. Dies gilt vor allem für arbeitsintensive Produkte wie Textilien, Schuhe und Spielzeug.

Als die Produktionskosten in Europa und den USA vor vielen Jahren zu hoch wurden, wanderte die Textilindustrie in Schwellenländer wie Taiwan oder Südkorea aus. Als auch dort der Lebensstandard und die Löhne stiegen, setzte erneut eine Wanderbewegung ein, eine Fabrikshalle und ein paar Nähmaschinen sind schnell woanders aufzustellen: Vietnam, Thailand, Indonesien oder China haben nicht nur billigste Arbeitskräfte, sondern auch wenig Gesetze zur Regelung der Arbeitsbedingungen. China ist heute der größte Schuhproduzent der Welt, ein Drittel aller Marken-Sportschuhe werden dort hergestellt.

Die großen Konzerne geben ihre Produktion bei einheimischen Fabriksbesitzern in Auftrag. Diese siedeln sich oft in Freien Exportzonen an und sind für die Erfüllung der Aufträge verantwortlich. Dadurch scheinen die Konzerne wenig mit den Arbeitsbedingungen in diesen Fabriken zu tun zu haben und sind dafür nicht direkt verantwortlich.

Acht von zehn weltweit verkauften Spielsachen werden in China produziert. Geschätzte 30 Prozent aller Spielwaren sind Lizenzprodukte, die den großen Unterhaltungskonzernen (z.B. Disney, Warner) Millionen Lizenzgebühren einbringen. So muss Mattel 15 Prozent der Einnahmen aus Harry-Potter-Artikeln an Warner zahlen.

In einer chinesischen Spielzeugfabrik bekommt eine Arbeiterin durchschnittlich 3,5 € netto pro Tag, die Arbeitszeiten sind unregelmäßig lange, Überstunden werden oft nicht ausbezahlt. Nur eine von zehn Fabriken hält sich an das chinesische Arbeitsrecht, das sehr wohl eine 40-Stunden-Woche, Sozialversicherung und eine begrenzte Zahl von Überstunden vorsieht. Der Wettbewerbsdruck unter den Fabriken ist bedingt durch die weltweite Krise 2008/09 enorm, in Südchina hat 2009 jede zweite Spielzeugfabrik zugesperrt.

Ein Gütesiegel für fair erzeugte Spielwaren gibt es noch nicht.

Im Hölzel-Geojournal ist unter Hinweis auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen bereits am Beispiel einer Jeans der marginale Anteil der Lohnkosten am Verkaufspreis gezeigt worden.

Wir zeigen diesmal als Beispiel die Preisstruktur von Sportschuhen bzw. die einer Barbie-Puppe, beide entnommen der Öffentlichkeitsarbeit der NGO "Südwind".

Download: Arbeitsblatt Sportschuhe

Die Preisstruktur einer Barbie-Puppe sieht etwa so aus:

15,00 € Verkaufspreis verteilen sich auf:

  0,38 €  Zölle
12,00 €  Handelsspanne, Transport, Werbung, Gewinn
  1,00 €  Materialkosten
  1,50 €  Spanne der chinesischen Produktionsfirma
  0,12 €  Lohnkosten

Weiterführende Informationen zu dieser Thematik finden Sie auf der Homepage von cleanclothes und Südwind.

Für die faire Herstellung von Spielzeug unterhält Südwind eine eigene Homepage:

www.spielsachen-fair-machen.at

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