Hölzel-Journal

Wirtschaftskundliches Seminar

WIRTSCHAFTSKUNDLICHES SEMINAR - Folge 39: Vollmachten im Unternehmen

16. Februar 2019

Von: Wilhelm Malcik und Reinhard Schachermeier

Mag. Wilhelm Malcik und Dkfm. Mag. Reinhard Schachermeier Das WIRTSCHAFTSKUNDLICHE SEMINAR ist eine „Fortsetzungsgeschichte” zur Vertiefung wirtschaftswissenschaftlicher und wirtschaftspädagogischer Kenntnisse. Jedes neue HÖLZEL-JOURNAL setzt das Seminar in kleinen Einheiten als Download fort und folgt damit in überarbeiteter Form dem Handbuch zur Wirtschaftskunde in vier Bänden, wie es von 1990 bis 2001 bei Ed. Hölzel in mehreren Auflagen erschienen ist.

12.7 Vollmachten im Unternehmen

Ein Unternehmer oder Manager (Geschäftsführer, Vorstand) kann in größeren Unternehmen nicht mehr alle Entscheidungen alleine treffen, durchführen oder kontrollieren. Er braucht Mitarbeiter, die das Unternehmen auch in juristischer Hinsicht vertreten können. 

1. Prokura

Das Unternehmensgesetzbuch (UGB) sieht vor, dass die Prokura nur von einem in das Firmenbuch eingetragenen Unternehmer oder seinem gesetzlichen Vertreter und nur mittels ausdrücklicher Erklärung erteilt werden kann. Die Prokura muss nach außen erkennbar und im Firmenbuch eingetragen sein.

Ein Prokurist unterschreibt mit dem Zusatz „ppa“ (per procura). Eine Musterunterschrift ist bei der Anmeldung beim Firmenbuch beizulegen.

Ein Prokurist darf u.a.:

  • Waren und Wertpapiere kaufen und verkaufen;
  • Dienstverhältnisse mit Arbeitern und Angestellten schließen oder auflösen;
  • Kredite aufnehmen;
  • das Unternehmen bei Gericht vertreten.

Ein Prokurist darf nicht:

  • Grundstücke veräußern oder belasten (z.B. mit einer Hypothek);
  • Anmeldungen zum Firmenbuch unterschreiben;
  • das Unternehmen auflösen oder verkaufen;
  • (weitere) Prokuristen ernennen;
  • eine Bilanz unterzeichnen;
  • weitere Gewerbe anmelden.

Die Prokura kann eine Person allein betreffen (Einzelprokura). Sie kann aber auch mehreren Personen gemeinsam erteilt werden, sodass diese auch nur zusammen handeln können (Gesamtprokura).

2. Handlungsvollmacht

Die Möglichkeiten eines Handlungsbevollmächtigten sind gegenüber der Prokura noch weiter eingeschränkt:
Es ist ihm alles verboten, was der Prokurist nicht darf; weiters darf er
nicht:

  • Wechselverbindlichkeiten eingehen (d.h. das Unternehmen in Form eines Wechsels zur Zahlung einer bestimmten Summe verpflichten);
  • Darlehen (Kredite) aufnehmen;
  • Das Unternehmen vor Gericht vertreten.

Ein Handlungsbevollmächtigter ist nur zu Geschäften und Handlungen einer bestimmten Art berechtigt, z.B. den Einkauf von Waren (eventuell betragsmäßig begrenzt). Ein Handlungsbevollmächtigter einer Baufirma darf z.B. nicht Textilien oder Schuhe kaufen und verkaufen.

Die Eintragung ins Firmenbuch ist nicht notwendig.

Nach dem Umfang unterscheidet man:

  • Generalvollmacht (für alle Rechtshandlungen);
  • Artvollmacht (für eine bestimmte Art von Geschäften, z.B. für den Einkauf oder für die Entgegennahme von Zahlungen durch einen Kassier);
  • Spezialvollmacht (für eine genau bezeichnete Handlung, z.B. für die Vertretung gegenüber dem Finanzamt in einer ganz bestimmten Sache).

Ein Bevollmächtigter unterschreibt mit dem Zusatz „i.V.“ (in Vertretung) oder „i.A.“ (im Auftrag).

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